Ich bin 2015 als erster Freiwilliger von FOPOS e. V. nach Südafrika ausgereist. Ich hatte das Abi gerade frisch in der Tasche und wollte ein soziales Jahr machen, um mir Klarheit zu verschaffen, was ich mal machen will, etwas Gutes zu tun und auch, um Raum zu haben, eine Romanidee zu verwirklichen, die mir damals in den Sinn kam.
Über einen Flyer von mundus e. V. erfuhr ich von der Option, so ein soziales Jahr im Ausland zu machen. Ich bewarb mich und hatte das große Glück, für das Oratorium in Oudtshoorn ausgewählt zu werden.
Die Abreise fühlte sich wie ein Riesenschritt an. Nicht nur würde ich zum ersten Mal nicht mit meinen Eltern wohnen, sondern dann auch noch tausende Kilometer entfernt in einem Land, von dem ich vorher nur gehört hatte.
Als ich dann in Südafrika ankam, fiel mir direkt auf, was für ein kleines Paradies es ist, gerade im Kontrast zum trostlosen Asphalt und Beton außenrum! Ein wunderschöner Garten erstreckt sich im Tal des Areals. Pater Leon ist Tierliebhaber und so gibt es neben den Hunden (zu meiner Zeit Rachel, Berta, Baps, Katrein und natürlich Lady, eine riesige dänische Dogge) auch allerlei Vögel, inklusive Truthähnen und Pfauen!
Ich glaube, das muss sich für die Kinder auch ganz besonders anfühlen. Es gibt eine sehr große grüne Wiese, auf der sie spielen und toben können, ohne jede Angst, mit ihren oft bloßen Füßen in eine Scherbe zu treten. Auch die Sicherheit des umzäunten Geländes ist etwas Rares im Alltag der Kleinen.
Im Huis Luigi erhalten sie eine warme Mahlzeit und nachher können sie im Gelände spielen. Ich selbst musste Essen verteilen, die Schüsseln wieder einsammeln und anschließend eine kleine Gruppe an Kindern einer Altersklasse betreuen. Schnell musste ich essentielle Begriffe auf Afrikaans lernen, da vor allem die kleineren Kinder kein Englisch sprechen. Munnie (Lass das!) und Nie (Nein!) waren sehr hilfreich im Arbeitsalltag.
Dadurch, dass ich bei den Priestern lebte und sie sich gern auf Afrikaans unterhielten, lernte ich die Sprache recht schnell. Sie hatten außerdem die Harry-Potter-Bücher auf Afrikaans und ich durfte sie mir ausleihen. Da ich die Bücher in meiner Kindheit jeweils mindestens siebenmal gelesen hatte, war das eine große Hilfe dabei, die Sprache zu erlernen. Das wurde auch nochmal nützlich, als Klaus Lauck und Pfarrer Hubertus Deurling mich in Südafrika besucht haben. Damals habe ich Klaus dabei geholfen, die Buchhaltung für Fopos zu machen. Da mussten nämlich einige Belege für Ausgaben im Center ins Deutsche übersetzt werden.
Für die Kinder geht es oft sportlich zu: Rugby, Fußball, Klettern auf dem Gerüst, Fangen und Schaukeln stehen auf dem Programm. Ich selbst habe damals zusammen mit Karabo (einem Freiwilligen aus dem Township) eine Fußballmannschaft trainiert, die teils aus Townshipkindern und teils aus weißen Kindern aus dem Stadtzentrum bestand. Das war für mich als 18-Jährigen schon herausfordernd, weil die Kinder zu mir aufschauten und ich mir einen Trainingsplan überlegen musste.
Wir haben unter anderem gegen Dario Urbanskis Fußballmannschaft gespielt. Der gebürtige Berliner und stolzer Fan von Eisern Berlin hat weit außerhalb von Oudtshoorn eine Straußenfarm. Auf der hat er, mit Hilfe seines Vereins, einen tollen Rasenplatz inklusive Tribüne bauen können. Es war schon besonders, dort spielen zu können, und hatte eine ganz eigene Atmosphäre so mitten im Nirgendwo.
Natürlich bin ich auch herumgereist. Mich hat Julia besucht, eine weitere Freiwillige, die ich vom Vorbereitungsseminar von Mundus kannte. Wir sind für etwa eine Woche in Südafrika gereist. In der Zeit haben wir einen Bungeesprung von der Bloukrans Bridge gemacht. Das war ein Adrenalinkick, wie ich ihn noch nie erlebt hatte; ich war total begeistert! In Kapstadt hat sich Julia dann ein weiteres Tattoo stechen lassen, und ich war ganz kurz davor, mir mein Erstes tätowieren zu lassen. Der Tätowierer riet mir, noch einmal drüber zu schlafen, und ich habe es dann doch nicht gemacht — eine Entscheidung, die ich seither sicher nicht bereut habe!
Wir reisten danach weiter nach Tansania, wo in diesem Jahr das Zwischenseminar für alle Mundus-Freiwilligen stattfand. Das war ein ziemliches Abenteuer, denn dort trafen wir uns dann mit sechs anderen Freiwilligen und reisten als erstes mit dem Zug in den absoluten Süden des Landes, zum Lake Malawi. Der Zug selbst war ein Schlafzug (Neuland für mich), mit einer Toilette, die auf die Gleise ging, und einer Geschwindigkeit, bei der man fast nebenher hätte laufen können.
Aber wir kamen heil an. Am Lake Malawi verbrachten wir Weihnachten. Ich merkte, dass ich nicht so der Typ für Weihnachten unter Palmen bin; mir fehlte es, mit meiner Familie zusammen zu sein, und ein Videotelefonat konnte das nicht ersetzen.
Als ich schließlich wieder in Oudtshoorn ankam, fiel es mir erstmal schwer, in den Arbeitsalltag zurückzufinden. Zum ersten Mal hatte ich auch Heimweh. Ich machte immer Videokonferenzen im Gang des Oratoriums neben einer Marienstatue, weil dort das einzige LAN-Kabel war. Als meine Eltern mich im März besuchen kamen, sagten sie nur: „Ach, HIER hast du immer gesessen, das war der Hintergrund, den wir immer gesehen haben!“.
Doch das Projekt und die Arbeit dort wuchsen mir auch ans Herz. Ich kannte die Kinder gut, mochte es, mich mit ihnen zu unterhalten und zu spielen, und ich mochte auch meine Routine im Kloster. Morgens, vor der Arbeit, schrieb ich an meinem Buch, ich arbeitete im Center und abends meditierte ich viel. Es war eine arbeitssame, aber auch unkomplizierte Zeit.
Als es schließlich hieß Abschied zu nehmen, fiel mir das sehr schwer. Bevor die Kinder nach Hause gehen wird im Center immer eine Glocke geleutet und das Angelus Gebet auf Afrikaans gebetet. Das war ein festes Ritual. An meinem letzten Tag im Center, wo ich das Gebet anleitete und auf die Gesichter der Kinder blickte wurde mir klar, dass ich sie so nie wieder sehen würde. Wenn ich wiederkommen würde, dann erst in vielen Jahren, wenn sie längst viel größer sein würden. Da kamen mir doch die Tränen. Und ich hatte Recht, ich plane im nächsten Jahr wieder nach Südafrika zu reisen, aber 11 Jahre sind eine immense Zeit, in der viele der Kinder erwachsen geworden sind.
Ich selbst denke gern an meine Zeit dort zurück. Es ist beeindruckend, was die Priester dort alles aufgebaut haben. Sie sind eine wichtige Stütze für die Gemeinschaft und ein zentraler, sicherer Ort des Glücks für die Kinder. Es hat mich sehr gefreut, einen kleinen Beitrag mit meiner Arbeit dort zu leisten und ich bleibe dem Center gerne über Fopos verbunden.
Sebastian Müller












